His Steveness — auch Steve Jobs genannt — hat sich heute mit einigen Gedanken zu Flash und Adobe an seine Untertanen gewandt.
Um mit dem Ende anzufangen, Steve empfiehlt Adobe sich eher um die Entwicklung von Tools zur Schaffung toller HTML5 Inhalte der Zukunft kümmern und weniger Apple kritisieren, die die Vergangenheit hinter sich lassen wollen.
In seinem Pamphlet verlässt dazu seine sonstige erfolgreiche Vortragsstrategie nur über 3 Punkte zu sprechen und gibt mal zur Abwechslung 6 Gründe an (unbedingt lesen:. The Presentation Secrets of Steve Jobs: How to Be Insanely Great in Front of Any Audience) .
1. Openess der Plattformen
Steve erklärt, dass Flash — entgegen langläufiger Behauptungen — nicht offen, sondern proprietär ist: Flash gibt es nur bei Adobe und Adobe bestimmt allein über die zukünftige Weiterentwicklung, Kosten etc. Auch wenn Flash Produkte überall erhältlich sind, heißt dies noch lange nicht, dass sie offen wären.
Auch wenn Apple auch viele proprietäre Produkte hat, glaubt Apple daran, dass das Web offene Standards braucht. Daher ist HTML5 für Apple der Weg, den sie zusammen mit anderen wie Google gehen. HTML5 ist total offen und wird nicht nur von einer Firma bestimmt, sondern durch ein Gremium kontrolliert, indem auch Apple Mitglied ist.
2. Das “vollständige Web”
Adobe behauptet, dass Benutzer ohne Flash nicht das vollständige Web erleben könnten. Dem setzt Steve dann die bekannten Argumente entgegen: Mittlerweile sind viele Video Provider auf H.264 gegangen und mit YouTube wären sowieso schon 40% der Videos im Internet auf dem iPhone/iPad abspielbar. Auch das Argument der Flash Spiele, lässt er auch nicht gelten, da der App Store prall gefüllt mit (kostenlosen) Spielen ist.
3. Zuverlässigkeit, Sicherheit und Performance
Angeblich hat Symantec vor kurzem Flash was Sicherheit angeht ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Außerdem würden viele Crashs auf der Mac Plattform vom Flash Plug-In herrühren. Apple hätte zwar seit vielen Jahren mit Adobe zusammengearbeitet um die Probleme zu lösen, aber das Ding bleibt instabil. Apple will die Zuverlässigkeit und die Sicherheit von iPhone/iPad nicht gefährden und lässt daher kein Flash auf diese Plattformen.
Flash ist langsam auf mobilen Plattformen. Apple hat immer wieder angefragt, ob Adobe ihnen ein Flash zeigen kann, dass schnell genug auf mobilen Geräten wäre und wurde immer wieder auf später vertröstet. Apple glauben schon, dass es irgendwann dazu kommt, sind aber glücklich nicht darauf gewartet zu haben.
4. Lebensdauer der Batterie
Wenn die Anbieter ihre Videos nun eh schon umkodieren müssen, dann könnten sie es ja auch gleich ohne Flash machen…
5. Da ist dann noch Touch
Steves Argument hier ist, dass Flash in der guten alten Zeit sehr erfolgreich gewesen wäre, als es nur Bildschirm und Maus gab. So sind die meisten Flash Anwendungen allerdings nicht auf Touch vorbereitet. Da diese Anwendungen sowieso umgeschrieben werden müssten, dann doch bitte gleich mit dem modernen HTML5. Ein weiterer Punkt ist, selbst wenn auf iPhone/iPad Flash laufen würde, müssten diese Anwendungen umgeschrieben werden, um Touch zu unterstützen.
6. Der wichtigste Grund
Apple kennt aus schmerzvoller Erfahrung (weiß jemand welche?) das Resultat, wenn zwischen einer Plattform und den Entwicklern eine Third Party einen Layer dazwischen zieht. Das Ergebnis sind Applikationen dem Plattform Standard nicht 100% folgen. Weiterhin würden die Verbesserung und Weiterentwicklung der Plattform verhindern. Entwickler wären auf die Third Party angewiesen und können neue Feature der Plattform erst nutzen, wenn die Third Party diese dann auch endlich nachgezogen hat.
Da bei Crossplattform Entwicklungsumgebungen immer neue Features einer Plattform erst dann unterstützt werden, wenn die anderen Plattformen nachgezogen sind (lowest common denominator), würden Entwickler gehindert werden Apples Innovationen und Erweiterungen in den Plattformen zu verwenden. Dies könne Apple nicht akzeptieren. Adobes Ziel ist nicht, die Entwickler zu unterstützen die beste Software für die jeweiligen Plattformen zu bauen, sondern ihr Ziel ist, die Entwickler bei der Entwicklung von Crossplattform Applikationen zu helfen. Abgesehen davon ist Adobe sehr langsam sich an die Erweiterungen der Apple Plattform anzupassen, als Beispiel wird angeführt, dass die Adobe Suite nun erst nach 10 Jahren Mac OS X auf Cocoa portiert wurde…
Die Argumentation von Steve ist schlüssig, auch wenn Apple natürlich auch ein gewisses Eigeninteresse nicht abzusprechen ist. Als Entwickler würde ich auch lieber native auf einer Plattform implementieren. Steve hat sicherlich Recht, dass die neusten Innovationen und Feature zunächst mit den plattform-eigenen Tools unterstützt werden. Natürlich ist es dann aufwendig, falls man als Entwickler andere Plattformen unterstützen will. Allerdings habe ich aber auch in den letzten Jahren keinen wirklich sinnvollen Ansatz für Crossplattformdevelopment gesehen. Selbst HTML hat — zumindest in der Vor-HTML5 Zeit — auch versagt. Das ist für tatsächlich das stichhaltigste Argument…
Allerdings finde ich hier auch interessant, dass dies gelobte HTML5 (s.o.) nun auch wiederum ein Crossstandard ist. Ich kann mir dann allerdings auch nicht vorstellen, wie hierauf patentierte proprietäre Innovationen reagiert werden kann. Scheint mir doch ein kleiner Wiederspruch.
Nun bin ich mal gespannt wie die Antwort von Adobe ausfällt.